Interbrigadas Newsletter September 2017

1. September 2017|Newsletter

Gliederung:

1. Einleitung (aktuelle Lage in Venezuela)

2. Brigade „Somos Naqaba“

3. Lucia Vargas und Karen Tovar

4. Vorankündigung Filmpremiere „Dias de Lucha, Dias de Luto“

5. Arabisch und Spanischkurse ab Mitte Oktober

6. Kubabrigade

1. Einleitung

Liebe Freundinnen und Freunde,

nach einer zweimonatigen Sommerpause melden wir uns zurück mit unserem Newsletter. Von einer richtigen Pause kann jedoch nicht die Rede sein. Über den letzten Monat befand sich unsere erste Sondierungsbrigade auf Kuba, um zukünftige Kooperationspartner*innen ausfindig zu machen, unsere Herbstbrigade nach Andalusien wurde geplant, eine längere Reportage über unsere Erfahrungen der letzten Märzbrigade wurde fertiggestellt, ein ARD Dokumentarfilm über die Lebens- und Arbeitsverhältnisse in Almería befindet sich in Planung und vieles mehr beschäftigte uns in der Sommerzeit.

Am Rande verfolgen wir mit wachsender Besorgnis die sich weiter polarisierende politische Lage in Venezuela. Am 30. Juli stimmten knapp mehr als 8 Millionen Venezolaner*innen für die Bildung einer verfassungsgebenden Versammlung (ANC). Die Opposition boykottierte diese Wahl und organisierte zuvor ein symbolisches Referendum, bei dem sich 7,2 Millionen Venezolaner*innen gegen die Bildung der ANC aussprachen. Faktisch übernimmt die ANC, die nur durch Repräsentant*innen der Regierung besetzt wird, nahezu alle wichtigen legislativen Kompetenzen der Nationalversammlung, die sich seit Ende 2015 in Oppositionshand befindet. Die Bildung der ANC ist zwar verfassungskonform, jedoch leistet sie einer zusätzlichen Verhärtung der politischen Fronten Vorschub und trägt unserer Ansicht nach nicht zu einer Lösung der drängenden Probleme des Landes bei. Im Gegenteil, politischer Protest in Verbindung mit der desolaten wirtschaftlichen Lage Venezuelas schlägt immer häufiger in Gewalt um: 125 Menschen aus dem Regierungs- und aus dem Oppositionslager starben bisher bei Protesten für und gegen das Referendum, Anfang August rebellierten Militärangehörige auf einem Militärstützpunkt in Valencia und Ende Juni warf ein Polizeioffizier Granaten aus einem Hubschrauber auf den obersten Gerichtshof.

Falls ihr Interesse habt an einer tiefgründigeren Analyse zur angespannten politischen Situation Venezuelas, hier ein ausführliches und polemisches Interview mit der langjährigen US-amerikanischen Solidaritätsaktivistin und Journalistin Eva Golinger, sowie einer unserer Ansicht nach ausgewogenen, vielschichtigen Analyse von Emiliano Terán Mantovani.

Eva Golinger: „Es ist die elitäre Machtstruktur an der Spitze, die in Venezuela korrumpiert ist“.

Emiliano Terán Mantovani: Venezuela von innen: Sieben Schlüsselfaktoren zum Verständnis der aktuellen Krise.

2. Brigade „Somos Naqaba“

Am 6. September startet die nächste, nunmehr vierte Brigade, nach Andalusien. Die neun Brigadist*innen werden während ihres fünfwöchigen Aufenthalts in Almería die andalusische Arbeiter*innengewerkschaft SAT im Plastikmeer von Almería unterstützen. Wie bei der vorangegangenen Brigade „Berta Cáceres“ soll die Gewerkschaft bei der Mobilisierung von Arbeitskämpfen, internationaler Vernetzung, rechtlicher Recherche und Sprachkursen für die größtenteils migrantischen Landarbeiter*innen gestärkt werden. Anders als im März liegt der aktuelle Fokus auf der gewerkschaftlichen Aktion. Daran angelehnt haben wir uns entschieden, der jetzigen Brigade den Namen „Somos Naqaba“ zu verleihen. Der Name ist eine Mischung aus dem Spanischen und dem Arabischen und bedeutet „Wir sind Gewerkschaft“. Der Ausruf wird von den Genossinen*innen vor Ort verwendet, um sich bei den vor allem Arabisch sprechenden Arbeiter*innen als Gewerkschaft kenntlich zu machen.

3. Lucia Vargas und Karen Tovar

Es ist wieder soweit. Lucia Vargas und Karen Tovar aus Kolumbien sind Ende September erneut zu Gast. Die beiden Rapperinnen und Menschenrechtsaktivistinnen sind eine Woche lang in Deutschland und werden auf Infoveranstaltungen über die aktuelle politische Situation Kolumbiens berichten und auf Konzerten den Gästen mit Bässen und starken Texten einheizen. Bisher stehen drei Konzerttermine: 22.09. Berlin – ZKU Moabit, 23.09. Leipzig – Zoro Fest und 27.09. Jena – Haus auf der Mauer. Weitere Details zu den Konzerten gibt es auf Facebook oder ihr schreibt uns einfach.

Hier der Ankündigungstext für das Konzert in Jena:

Lucia und Karen sind zwei kolumbianische Menschenrechtsaktivistinnen und Musikerinnen, die seit über zehn Jahren politischen Rap machen. In ihren Texten geht es unter anderem um den bewaffneten Konflikt in Kolumbien, sie treten für die Rechte indigener Bevölkerungsgruppen ein und positionieren sich gegen die Ausplünderung der Natur durch transnationale Konzerne und gegen die unter anderem durch diese verursachte Binnenvertreibung in Kolumbien.

Darüber hinaus arbeiten Lucia und Karen im Projekt „Sur del Cielo“ mit Kindern und Jugendlichen zusammen, die auf Seiten der Guerilla oder paramilitärischer Strukturen in den bewaffneten Konflikt in Kolumbien involviert waren. Durch diese Community-Arbeit soll den Kindern der Weg zur Reintegration in die kolumbianische Gesellschaft erleichtert werden.
Sie waren schon mehrfach in Europa unterwegs, haben Konzerte, Infoveranstaltungen und Workshops gegeben. Am 27.09. um 19 Uhr berichten sie über ihre Arbeit und die aktuelle Situation in Kolumbien, um 20 Uhr spielen sie ein Konzert im Haus auf der Mauer.

Eine musikalische Kostprobe findet ihr hier:

https://www.youtube.com/watch?v=cYAT5QsSzzo

https://www.youtube.com/watch?v=dUlEy_jJZbQ

4. Vorankündigung Filmpremiere „Dias de Lucha, Dias de Luto“

Während der Brigada „Berta Cáceres“ im März hat unsere Genossin Aline fleißig Videomaterial und Interviews gesammelt, die sie in den vergangen Monaten in akribischer Detailarbeit zu einem 30-minütigen Dokumentarfilm editiert und zusammengeschnitten hat. „Días de Lucha, Días de Luto“ ist ein politisches Portrait über die größtenteils marokkanischen Arbeiter*innen von San Isidro in ihrem alltäglichen Kampf gegen Ausbeutung und Rassismus. In dem bewegenden Film kommen vor allem die Arbeiter*innen selbst zur Sprache und schildern ihre Lebensrealität als marginalisierte und prekarisierte Arbeitskräfte am äußersten Rand Europas. Mehr dazu erfahrt ihr in Kürze. Ihr könnt euch jedoch schon die Termine für die Premiere fett im Kalender markieren:

17.10. in Jena im Haus der Gewerkschaften um 20h

24.11. in Berlin im Moviemento um 19h

Als kleiner Teaser hier nochmal der Link zu einer kurzen Videoreportage, die wir bereits im März veröffentlicht hatten, nachdem 22 migrantische Arbeiter*innen in San Isidro gegen ihre Entlassung protestierten.

5. Arabisch und Spanischkurse ab Mitte Oktober

Frei nach dem Motto „Bildet euch, bildet andere, bildet Brigaden!“ wollen wir ab Mitte Oktober wieder Sprachkurse anbieten, die für alle Interessierten offen sind. Es wird einen Spanischkurs für Anfänger und Fortgeschrittene geben sowie einen Arabischkurs für Anfänger. Die Kurse sind selbstorganisiert und begleitet von Muttersprachler*innen. Die Kurse sollen vorerst drei Monate lang einmal pro Woche stattfinden, können aber bei Bedarf verlängert werden. Bei Interesse meldet euch einfach bei uns. Anfang Oktober erfolgt eine Absprache unter den Interessent*innen, um einen bestmöglichen Wochentermin für alle zu finden. Um eine hohe Kontinutität und regelmäßige Teilnahme zu garantieren, werden wir zu Beginn einen kleinen Teilnahmebeitrag einsammeln. Wer fleißig war und am Ende nur selten gefehlt hat, kriegt einen Teil des Beitrages zurück. Aber die Details wollen wir mit euch gemeinsam besprechen, wenn es soweit ist.

6. Kubabrigade

Von Ende Juli bis Ende August besuchte unsere sechsköpfige Sondierungsbrigade Kuba. Mit Cuba Si arbeiten wir schon seit einigen Jahren regelmäßig zusammen (Internationalismuskonferenz 2015, Fiesta de Solidaridad, etc.). Ziel der Sondierungsbrigade war es potentielle zukünftige Kooperationspartner ausfindig zu machen, mit denen sich eine Solidaritätsarbeit entwickeln lässt. Dafür besuchten wir verschiedene Akteure wie u.A. die politische Bildungsschule „Escuela Hugo Chavez“, ICAP (Kubanisches Institut für Völkerfreundschaft), den Exekutiv-Rat der Vereinigung der Wirtschaftswissenschaftler*innen ANEC, die internationale Abteilung der UJC (Union der kommunistischen Jugend), Journalist*nnen der landesweiten Tageszeitung Juventud Rebelde, der Künstler*nnenvereinigung AHS (Vereinigung Brüder Saíz) und vielen mehr.

Wir besuchten auch den berühmten Boxtrainingsclub „Rafael Trejo“ in Alt-Havanna. An unserer Brigade nahmen zwei Mitglieder des Roter Stern Berlin e.V. teil, die unter anderem ein Boxangebot im Wedding anbieten. Die Idee im Sommer 2018 eine Brigadereise für politisch interessierte Boxsportler*innen zu organisieren fand breiten Anklang unter uns und unter den Verantwortlichen des Trainingsclubs. Falls ihr jetzt schon Interesse an einer Teilnahme habt, meldet euch bei uns.

Hier findet ihr die drei Berichte zur Kubasondierungsbrigade mit schicken Fotostrecken:

Solidarität und Vernetzung – 1. Bericht der Kuba-Sondierungsbrigade 2017

Solidarität und Vernetzung – 2. Bericht der Kuba-Sondierungsbrigade 2017

Solidarität und Vernetzung – 3. Bericht der Kuba-Sondierungsbrigade 2017

Euer Interbrigadas-Team.

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