Auf nach Andalusien! Spendenaufruf für die Brigade nach Almería im März 2017

2. Februar 2017|Ankündigungen, Spendenaufrufe

Die Brigade „Gerda Taro“ 2016 zu Besuch bei Matthias, einem lokalen Öko-Bauer. Er bewirtschaftet sein Land mit seiner Familie nachhaltig und zeigt, wie es auch anders gehen kann.

Zum dritten Mal fahren wir im März 2017 mit einer Brigade nach Andalusien. Nach dem vertiefenden Kennenlernen im letzten Jahr wollen wir nun die Arbeit der Andalusischen Landarbeiter*innengewerkschaft SAT-SOC ganz praktisch unterstützen. Viele Stiftungen und Organisationen haben sich schwer damit, unsere ungewöhnlich praktische Form der Solidaritätsarbeit zu unterstützen und wir haben nur begrenzt Zeit und Kapazitäten die teils komplizierten Anträge auszufüllen. Der Plan steht, aber vieles hängt von unseren Finanzierungsmöglichkeiten ab, weshalb wir euch um eure Unterstützung bitten möchten!

Wichtiges Ziel der Brigade ist es, drei Wochen lang Kurse an den Standorten der Gewerkschaft in der Region Almería anzubieten, aus der wir in Deutschland einen großen Teil unseres täglichen Bedarfes an Obst und Gemüse decken. Die Arbeit der SAT-SOC geht uns alle etwas an: Deutschland ist in allen Bereichen der größte Abnehmer der Agrargüter aus Andalusien und seien wir ehrlich: bei wem landen sie nicht im Einkaufswagen, die Tomaten, Gurken und Salatköpfe aus der Plastikwüste am Mittelmeer? Die weit verbreitete Discounter-Kultur bei uns sorgt zusätzlich für einen enormen Preisdruck auf die Produzent*innen. Diese nutzen wiederum die schlechte Lage migrantischer Arbeiter*innen (teilweise ohne Papiere) aus, zahlen unter Mindestlohn oder nicht die abgeleistete Stundenzahl, geschweige denn Sozialabgaben und drücken so die Preise.

Blick auf das Meer aus Plastik von El Ejido. Unter den weiß gekalkten Dächern verbirgt sich die ungeschminkte und harte Arbeitsrealität der migrantischen Arbeiter*innen.

Vor etwa zehn Jahren gab es einen großen Aufschrei wegen der Pestizidbelastung bei Discountergemüse und es hat sich viel getan. Inzwischen ist Almería auch einer der größten Bio-Produzenten Europas. An den skandalösen Arbeitsbedingungen für die Landerbeiter*innen hat sich jedoch nichts geändert. Unsere Brigade möchte genau dort ansetzen und auf diese Verhältnisse aufmerksam machen sowie die praktische Arbeit der SAT-SOC unterstützen.

Arbeiter*innen demonstrieren für ihre rechtmäßige Bezahlung. Auf ihren ausgestellten Rechnungen erscheinen weniger Tage, als sie real gearbeitet haben – Alltag in Almería.

Zu unseren geplanten Aktivitäten zählen unter anderem: Sprachkurse für migrantische Arbeiter*innen, Plakat- und Transparentgestaltung für Demonstrationen, ein Theaterkurs nach der Methode „Theater der Unterdrückten“ sowie interkulturelle Abende und Kinoabende. Derzeit hat das Programa de la mujer (ein Angebot der Gewerkschaft, das sich an Frauen richtet) besondern Zulauf mit bis zu 40 Teilnehmer*innen. Wir wollen dieses Programm unbedingt unterstützen, um hierbei nachhaltige Unterstützer*innen für die Gewerkschaftsarbeit zu gewinnen. Ansatzpunkte gibt es dabei viele und wir freuen uns auf den Austausch mit den Menschen vor Ort. Ein weiteres Ziel ist es, die spanische Bevölkerung stärker mit einzubeziehen, da es kaum Ehrenamtliche bei der Gewerkschaft gibt. In den Medien ist die Gewerkschaft stets Diffamierung und negativer Berichterstattung ausgesetzt, denn Andalusien ist abhängig von der Landwirtschaft wie kaum eine andere spanische Region. Jede Kritik an den Verhältnissen der Produktion ist daher unerwünscht.

Bei der intensiven Vorbereitung der Brigade konnten wir auf unsere bisherigen Erfahrungen aus Venezuela zurückgreifen. Die vielen neuen Brigadist*innen nahmen aktiv an der Gestaltung rund um die Kurse Teil und es flossen die langjährigen Erfahrungen unserer Arbeit mit ein – von den Kulturangeboten im Barrio „70“ in Caracas bis zu den Sprach- und Theaterkursen in der venezolanischen Fischfabrik „La Gaviota“ in Cumaná.

Unser Konzept für die diesjährige Brigade kann sich dank intensiver Vorbereitung und dem großen Engagement der neuen Brigadist*innen absolut sehen lassen. Doch die Gewerkschaft richtete über das Kursangebot hinaus schon im letzten Jahr zwei Bitten an uns: Einerseits eine Datenerhebung zur Lage der migrantischen Arbeiter*innen vorzubereiten und andererseits nötige Informationen für ein Rechtsgutachten zu sammeln, das die Möglichkeit strategischer Klageverfahren gegen Großabnehmer*innen aus Deutschland erörtern soll. Die mitreisenden Jurist*innen dieser Brigade haben sich dieser wichtigen Aufgabe angenommen. Damit ist unsere Brigade für dieses Jahr mit vielen wichtigen Aktivitäten betraut.

Um den vielfältigen Aufgaben auf der Brigade nachzukommen, haben wir beachtliche Kosten für die Kursmaterialien sowie Transport und Logistik zu stemmen. Nur einen geringen Teil der bisher veranschlagten Kosten können wir von unserem Vereinsbudget decken. Wir möchten euch daher herzlich darum bitten, unser Vorhaben mit einer Spende zu unterstützen und so nachhaltig zum Erfolg zu verhelfen. Alle Spenden sind steuerlich Absetzbar, da wir gemeinnützig sind! Unsere Spendeninfos und Kontakt findet ihr hier.

Vielen Dank,

Euer Interbrigadas e.V.

„Brot, Arbeit, Dach und Würde“ – Die Brigade „Gerda Taro“ 2016 am gemeinsam gestalteten Wandbild vor dem SAT-SOC-Büro in Almería.

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