Solidarität trotzt Pandemie – Brigade Celia Sánchez nimmt die Arbeit auf

13. Juli 2021|Berichte

Nach den ersten arbeitsreichen Tagen meldet sich die Brigade Celia Sanchez aus Viñales.

Die Covid-19-Pandemie bestimmt auch den Alltag hier in Kuba. Zur Einreise mussten wir ein negatives PCR-Test-Ergebnis vorweisen und am Flughafen in Havanna wurden wir nochmals getestet. Danach stand für die Brigadist*innen ein fünftägiger Quarantäne-Aufenthalt in einem Hotelan. Täglich wurde unsere Temperatur gemessen und zur Sicherheit gab es nochmals am fünften Tag einen PCR-Test. Trotz relativ niedriger Fallzahlen nehmen die kubanischen Behörden die Pandemie sehr ernst (lokal sieht die Lage zum Teil aber schwierig aus). Das Tragen einer Maske ist in der Öffentlichkeit verpflichtend und in Läden und Behörden steht Desinfektionsmittel zur Verfügung, mit dem die Hände und auch Schuhe zu behandeln sind.

Die Bewegungsmöglichkeiten sind eingeschränkt. Auf der Straße darf sich nur zur Arbeit, zum Sport und zum Einkauf von Dingen des täglichen Bedarfs aufgehalten werden. In einigen Municipios herrschen je nach Fallzahlen Ausgangssperren ab einer gewissen Zeit und der Verkehr zwischen den Provinzen ist fast vollständig untersagt.

Die Impfkampagne mit den kubanischen Impfstoffen Soberana II und Abdala (benannt nach einem Epos von José Martí), ist bereits angelaufen. Zunächst wurden die Bevölkerungen der Provinzen und ihrer jeweiligen Hauptstädte geimpft, in denen die Fallzahlen am höchsten waren – Matanzas, Camagüey und die Hauptstadt La Habana. Die Bevölkerung der Isla de la Juventud ist bereits vollständig geimpft und man arbeitet sich nun zu den weniger betroffenen Provinzen vor.

Die ersten Arbeiten im Projekt Ventana al Valle haben auch bereits begonnen. Wir haben einen Baum gefällt und dafür einen Guayaba- und einen Maulbeerbaum gepflanzt. Die angelegten Beete werden nun mehr Licht abbekommen und es wird mehr Wind in den kleinen Hof gelangen.

Zwei Maracuya-Pflanzen, die vor zwei Jahren gepflanzt wurden haben sich hervorragend entwickelt. Eine der Pflanzen haben wir jedoch wieder entfernt. Sie hatte einen fast zehn Meter hohen Mango-Baum schon fast zur Hälfte überwuchert und hätte ihn ohne unser Eingreifen eingehen lassen. Eine letzte kleine Maracuya-Ernte hatten wir dadurch auch. Die andere Maracuya wollen wir aber behalten. Dafür ist ein Gerüst auf dem Dach der zukünftigen Brigade-Unterkünfte geplant und in Arbeit, an dem die Pflanze dann weiterrankeln kann. Die Maracuja-Ernte wird durch das Gerüst erleichtert, außerdem hat das Gründach einen kühlenden Effekt.

Außerdem haben wir fast fünfzehn verschiedene Baumsorten vorgezogen, darunter Cacao, Marañon (Cashew), Tamarindo, Moringa und Guanabana.

Wir haben auch schon mit den ersten Arbeiten auf dem agroökologischen Gelände begonnen. Mit dem Fahrrad ist das Gelände in zwanzig Minuten zu erreichen. Es ist ein wunderschönes überwuchertes Fleckchen Erde, begrenzt von den hoch aufragenden Felsen der Mogotes. Aktuell ist das Gelände mit unzähligen Bananen-Pflanzen und vielen Büschen bewachsen. Der Vorbesitzer hat bereits etwas Kaffee angepflanzt und uns eine Holzhütte hinterlassen, in der sich noch etwas an Werkzeug befindet. Ein Wassertank steht auch zur Verfügung.

Nun stehen einige Vorarbeiten an, die wir vor dem Design des Fruchtwalds erbringen müssen. Wir müssen ermitteln, welche Bäume und Büsche wir entfernen wollen. Einige der Bananenstauden werden wohl weichen müssen. Die Kaffee-Pflanzen finden im Schatten der Felsen und der anderen höheren Bäume jedoch ideale Bedingungen vor – wir werden sie behalten und vielleicht irgendwann unseren eigenen Kaffee ernten und trinken können. Welche weiteren Bäume und Büsche wir noch pflanzen werden hängt davon ab, wie die Lichtverhältnisse sind, die wir auch noch beobachten müssen. Wir müssen ermitteln welcher Bereich des Geländes zu welcher Uhrzeit von der Sonne beschienen wird, um eine optimale Bepflanzung zu gewährleisten. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Versorgung des Geländes mit Wasser. Dafür steht uns einerseits der Wassertank zur Verfügung und andererseits planen wir ein Wasserreservoir, in dem wir das Regenwasser direkt von den umliegenden Felsen abfangen und mit Kanälen über das Gelände verteilen können. Erste Grabungen haben bereits begonnen.

Die Arbeiten werden jedoch von der Pandemie und von der ökonomischen Blockade durch die USA erheblich eingeschränkt. Einerseits sorgt das Embargo der USA dafür, dass Baumaterialien teuer oder schwer zu beschaffen sind und andererseits besteht die Reisebeschränkung zwischen den Provinzen, die unsere Planungen und Arbeiten erschweren. In Viñales wurde jetzt auch der Personenverkehr von Autos und Motorrädern untersagt. Nichtsdestotrotz sind wir guter Dinge und werden aller Voraussicht nach Holz kaufen können und mit den Bauarbeiten für das traditionelle Palmendach beginnen können. Auch der Design- und Pflanzungsprozess des agroökologischen G

rundstücks wird weiterlaufen. Wir halten euch auf dem Laufendem!

++++ ACHTUNG SPENDENAUFRUF ++++

Die Impfkampagne mit dem nun von der WHO zugelassenem Impfstoff [https://www.fr.de/ratgeber/gesundheit/corona-impfstoff-aus-kuba-verbluefft-zr-90851528.html ] Abdala kann nicht in der best möglichen Geschwindigkeit durchgeführt werden. Ins Stocken gerät sie vor allem durch fehlendes medizinisches Equipment. Es fehlt es an Spritzen und Kanülen für die Impfungen. Die kubanische Botschaft hat einen Spendenaufruf gestartet, den wir euch bitten würden zu unterstützen [. Zur Hilfe könnt ihr uns auch gerne direkt spenden und wir kaufen dieses Equipment in Absprache mit Cuba Sí, die am 20. Juli einen Container nach Kuba schicken werden [Verwendungszweck: Kuba]

++++ Update ++++

Wie ihr aus der Presse mitbekommen habt, gab es einige Proteste in Kuba wegen der Covid19- und Versorgungslage. Wir haben persönliche Kontakte im Stadtviertel 10 de Octubre von Havanna, von dem die größten Teile dieser Proteste ausgingen und können daher gewissenhaft schreiben, dass es sich nicht um “10.000de” sondern um einige hundert Menschen gehandelt hat. Es regt uns etwas auf, dass auch Bilder der Gegenproteste, also von Demos die sich mit dem Projekt des Landes solidarisch erklären, von der Tagesschau und anderen Medien aus dem Kontext gerissen wurden und als regierungsfeindlich dargestellt wurden. Es geht leider wiedermal nicht um das Verstehen einer Situation sondern um Meinungsmache. Bei uns vor Ort gab es keine Proteste. Eine tiefere Analyse folgt in den nächsten Tagen.

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