Newsletter Dezember 2025

17. Dezember 2025|Allgemein

Liebe Freund*innen und Unterstützer*innen von Interbrigadas,

wir blicken zurück auf ein ereignisreiches Jahr voller Begegnungen, Erfolge und Herausforderungen. Wir wollen mit euch einige unserer diesjährigen Höhepunkte und Pläne für die Zukunft teilen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Veranstaltungsreihe “Wege zum politischen Streik”
  2. Brigaden nach Andalusien und nach Kuba
  3. Filmvorführungen und Ausstellung in Freiburg und Leipzig
  4. Vernetzung mit Kämpfen in der Landwirtschaft in Deutschland
  5. Anstehende Projekte für 2026

Veranstaltungsreihe “Wege zum politischen Streik”

Im Frühling 2025 luden wir zu einer sechsteiligen Veranstaltungsreihe ein, die sich mit der Bedeutung von Streiks als Werkzeug politisches Werkzeug befasste. Dabei richteten wir den Blick sowohl auf aktuelle Arbeitskämpfe als auch auf die lange Geschichte internationalistischer Streikbewegungen. Gerade in einer Zeit zunehmender sozialer Spaltung ist gemeinschaftlicher Zusammenhalt entscheidend, um uns von rechter Hetze nicht gegeneinander aufbringen zu lassen.

Angesichts wachsender Ungleichheit, kapitalistischer Ausbeutung und der fortschreitenden Prekarisierung stellt sich immer drängender die Frage nach kollektiver Organisierung. Welche Formen von Widerstand sind heute möglich? Wie kann Beschäftigtenmacht entstehen, und wie lässt sich Solidarität über Branchen, Sektoren und Ländergrenzen hinweg stärken? Und warum gilt der politische Streik in Deutschland noch immer als Tabu?

Anhand von Beispielen aus dem Bildungs-, Pflege- und Logistiksektor diskutierten wir, welche Strategien in den vergangenen Jahren erfolgreich waren, wo Hindernisse bestehen und wie sich eine Kultur der Solidarität neu beleben lässt – auch über nationale Grenzen hinaus. Einen internationalen Blick eröffnete der kolumbianische Dachverband Congreso de los Pueblos, der von den Erfahrungen des landesweiten Generalstreiks 2021 berichtete – von der Rolle der Gewerkschaften bei der Organisierung massenhafter Proteste bis zur Bedeutung sektorübergreifender Solidarität. Dabei ging es ebenso um die Frage, weshalb der Generalstreik in Deutschland weiterhin verboten ist und wie Streiks wieder als legitimes Mittel gesellschaftlicher Mitbestimmung verstanden werden können.

Ziel der Reihe war es, Streik nicht nur als arbeitsrechtliches Instrument, sondern als gesellschaftliche Praxis zu verstehen – als Ausdruck gemeinsamen Widerstands und als wirksamen Hebel gegen Ausbeutung. Wir haben die einzelnen Veranstaltungen auch aufgenommen und sind gerade mit dem Schnitt der Audioaufnahmen beschäftigt. Damit ihr euch die inhaltlichen Diskussionen auch im Nachhinein nochmal anhören könnt, falls ihr die Veranstaltungen verpasst haben solltet. Schaut gerne regelmäßig auf unseren Kanälen vorbei, dort werden wir euch informieren, sobald wir die Mitschnitte veröffentlichen.

Brigaden nach Andalusien und nach Kuba

Brigade „Claudia Jones“

Im September 2025 haben sich fünf Brigadist*innen für die zweite internationale Brigade zur Gewerkschaft SOC-SAT in diesem Jahr auf den Weg nach Almería gemacht. Die Brigade Claudia Jones verfolgte drei Ziele: 1. Die Renovierung des Wandgemäldes,

Mehr zur Biografie von Claudia Jones findet ihr hier.

welches auf der ersten Brigade (Gerda Taro)  nach Almeria im Jahr 2016 entstanden ist; 2. Die Umsetzung des im Voraus mit der Gewerkschaft und Betriebsräten geplantenmes sindical (ein Gewerkschaftsmonat) mit Bildungsformaten zu gewerkschaftlicher Organisierung und 3. den Alltag der Gewerkschaft zu begleiten und zu unterstützen. In einem Monat ist viel passiert. Unsere Verbindungen und Beziehungen sind gewachsen und wir haben viel gelernt. Wenn ihr mehr Lust habt über die Herangehensweisen, Analysen und unsere Erfahrungen zu lesen, schaut in die folgenden drei Brigadeberichte der internationalen Brigade Claudia Jones rein: 

  1. Bericht: https://www.interbrigadas.org/erster-bericht-der-internationalen-brigade-claudia-jones/

  2. Bericht: https://www.interbrigadas.org/zweiter-brigadebericht-der-internationalen-brigade-claudia-jones/

  3. Bericht: https://www.interbrigadas.org/dritter-brigadebericht-der-internationalen-brigade-claudia-jones/

Delegation von Ver.di Betriebsräten aus Logistik und Handel

Zeitgleich zur Brigade Claudia Jones wurde auch der Besuch einer Delegation von Gewerkschaftsaktiven von Ver.di aus Supermärkten und Logistikzentren in Almería von uns begleitet. Der Besuch der Delegation war nach einem Austausch der Gewerkschaftsaktiven mit Betriebsräten der SOC-SAT Almería erwachsen, die uns im Sommer 2024 besuchten. Gemeinsame Aktionen und Treffen machten deutlich, wie ähnlich die Erfahrungen im Alltag, bei der Arbeit und in der gewerkschaftlichen Organisierung sind. Welche konkreten Analysen und weitere Schritte daraus folgen könnt ihr auch im zweiten Brigadebericht der internationalen Brigade Claudia Jones lesen.

Union Busting bei einem der größten Bio-Produzenten für den deutschen Markt

Seit Jahren begleiten wir organisierte Arbeiter*innen bei einem der größten Bioproduzenten in Almería: BioSabor. Wir haben etliche Male über die unsagbaren Umstände berichtet und euch davon erzählt, wie die Arbeiter*innen sich wehren, für sich und untereinander einstehen, immer und immer wieder. Nun ist die Situation in den letzten Monaten eskaliert und gerade läuft eine Klage gegen zwei Gewerkschafter. Lest gerne den ausführlichen Bericht dazu und beteiligt euch an unserem Call to Action. Solidarische Grüße an alle Kämpfenden!

Hier der Link für den Bericht: https://www.interbrigadas.org/ausfuehrlicher-bericht-zu-den-vorkommnissen-bei-biosabor/

Brigade „Assata Shakur“

Einen Infopost über unsere Beweggründe die Brigade Assata Shakur zu widmen, findet ihr auf Instagram.

Im Oktober 2025 reiste unsere internationale Brigade „Assata Shakur“ nach Viñales, wo wir gemeinsam mit dem Projekt Ventana al Valle arbeiteten – einer Kooperation, die uns seit 2018 verbindet. Ziel der diesjährigen Brigade war es, die lokale Infrastruktur zu verbessern sowie gemeinsame Bildungs- und Kulturangebote zu gestalten.

Trotz der anhaltend schwierigen wirtschaftlichen Lage in Kuba – mit Stromausfällen, Inflation und hohen Lebenshaltungskosten – konnten wir zahlreiche Arbeiten erfolgreich umsetzen. Dazu gehörten u. a. die Renovierung und Erweiterung des Fitnessraums, die Instandsetzung von Sportgeräten, der Aufbau einer neuen Gartenfläche sowie die Fertigstellung der Audio-Kabine und einer Regenwasserableitungsgrube. Parallel fanden Workshops in Boxen, Zumba, Seniorensport und Tanz statt. Auch innerhalb der Brigade gab es Bildungsangebote: Spanischunterricht, Vorträge zur Geschichte Kubas und Diskussionsrunden vertieften das gemeinsame Verständnis für die gesellschaftliche Situation im Land.

Für die Zukunft planen wir gemeinsam mit unseren Partner*innen vor Ort den Aufbau einer eigenen Solarstromanlage auf dem Gelände von Ventana al Valle, um das Projekt langfristig unabhängiger von den häufigen Stromausfällen zu machen. Dieses Vorhaben soll von einer Spendenkampagne begleitet werden, die in den kommenden Wochen starten wird. Weitere Informationen dazu werden wir bald auf unserer Website und in unseren Social-Media-Kanälen veröffentlichen. Auf unserer Website wird außerdem bald ein ausführlicher Bericht mit Fotos und Dokumentationen erscheinen, und auf Instagram werden wir in den nächsten Wochen Reels und kurze Videos hochladen, um einen visuellen Eindruck der Brigadearbeit zu vermitteln.

Wie vor einigen Monaten auf unserer Website angekündigt, war die Arbeit im Projektbereich Kuba in den letzten Monaten teilweise pausiert. Vor Ort hatte das Projekt Ventana al Valle eine schwierige Phase. Einige aktive Mitglieder haben das Land verlassen, und die allgemeinen Lebensbedingungen machten kontinuierliche Arbeit zeitweise unmöglich. Gleichzeitig war auch hier in Berlin die Beteiligung im Projektbereich geringer. Diese parallelen Herausforderungen führten dazu, dass der Austausch für eine Weile ins Stocken geriet. Inzwischen zeigt sich jedoch eine positive Entwicklung. Sowohl in Viñales als auch in Berlin gibt es wieder mehr Bewegung und neue motivierte Menschen, die sich beteiligen möchten. Diese gemeinsame Dynamik ermöglicht es uns, das Projekt nun wieder aktiver, kontinuierlicher und mit neuen Ideen fortzuführen.
Neben dem
Solarprojekt denken wir bereits über weitere größere Vorhaben nach. Künftig möchten wir uns stärker auf konkrete Produktionsprojekte in Kuba konzentrieren, die lokale Strukturen und Selbstversorgung unterstützen. Diese Projekte befinden sich derzeit in der Planungsphase und werden – soweit möglich – in Kooperation mit anderen Solidaritätsorganisationen entwickelt. Weitere Informationen dazu werden folgen, sobald sich die Ideen konkretisieren.

Filmvorführungen und Ausstellung in Freiburg und Leipzig

In Kooperation mit der FAU Freiburg  fand Ende August eine Filmaufführung des Filmes „Días de lucha, Días de Luto/Unter dem Plastik der Strand“ von der Filmemacherin Aline Juaréz statt. Bei der gut besuchten und mit leckeren Tacos kulinarisch umrahmten Veranstaltung haben wir zunächst in einem kurzen Input unsere Arbeit und die Region Almería vorgestellt, dann zusammen den Film geschaut und im Anschluss uns darüber ausgetauscht und diskutiert, wie wir heute die Kämpfe der Arbeiter*innen in Almería über Grenzen hinweg unterstützen können.

Vom 4. bis zum 6. Juli fand ebenfalls in Freiburg im Breisgau das diesjährige Agrikulturfestival statt, bei dem verschiedene Initiativen, Vereine und Betriebe neben einem vielfältigen Kulturprogramm zusammenkamen um sich über die Themen Landwirtschaft und Ernährung auszutauschen. Samstag und Sonntag waren wir mit einem kleinen Stand mit Infomaterialien vertreten und zeigten zwischen den Bäumen des Escholzparks die Ausstellung „Al Campo con derecho“ – eine Ausstellung über die Kämpfe von Landarbeiter*innen in Andalusien. Die Fotographien zogen interessierte Besucher*innen an und gaben Anlass zu angeregtem Austausch. Gerne möchten wir uns auch in den nächsten Jahren am Agrikulturfestival beteiligen.

Zusammen mit der FAU-IGG und dem Emanzipatorischen Landwirtschaftsnetzwerk (ELAN) haben wir im Oktober eine Küche für alle (Küfa) mit anschließendem Filmabend in Leipzig veranstaltet. Mit Gemüsespenden von verschiedenen Solawis aus der Region wurde ein super leckeres Essen gezaubert. Nach dem Essen wurde der Dokumentarfilm „Días de Lucha, Días de Luto“ von der Filmemacherin Aline Juaréz gezeigt, was im Anschluss an den Film zu einem spannenden Gespräche über die generelle Situation in Almería, unsere Arbeit und Solidarität führte. Für uns hat der Abend deutlich gemacht, dass Küfas als Ort des Zusammenkommens und Austauschs viel Potential mit sich bringen, weswegen unsere drei Organisationen nun daraus eine Veranstaltungs-Reihe starten möchten. Der nächste Termin steht auch schon fest: am 17.12.2025 im Café Pfusch, wird der Film „The Pickers“ gezeigt.

Vernetzung mit Kämpfen in der Landwirtschaft in Deutschland

Neben den internationalen Brigaden, sehen wir auch das Einbringen und Vernetzen mit Kämpfen hier in Deutschland als elementaren Bestandteil unserer politischen Arbeit an. Durch unsere langjährige Zusammenarbeit mit der SOC-SAT, vereinzelte Kooperationen mit hiesigen Gewerkschaften und Initiativen aus der Landwirtschaft und einige Brigadist*innen, die selbst in der Landwirtschaft arbeiten, konnten wir in den letzten Jahren ein breites Netzwerk zu vielseitigen Akteur*innen aus der Landwirtschaft in Deutschland aufbauen.

Netzwerktreffen des ELAN

Vom 10. bis zum 13. Juli fand auf dem Schafhof in der Nähe von Freiburg das diesjährige Netzwerktreffen des [ELAN] statt. Wir veranstalteten einen Workshop, in dem wir unsere Arbeit vorstellten und gemeinsam erarbeiteten, wie internationale Solidarität in der Praxis aussehen kann, sowie die Möglichkeiten der Vernetzung von Solidarischen Landwirtschaften mit der SOC-SAT in Almería. Außerdem nahmen wir an verschiedenen Austauschrunden mit anderen Akteur*innen teil. Ein in vielerlei Hinsicht anregender, inspirierender und Mut schenkender Austausch!

Interbrigadas auf dem Bäläkä

In der ersten Septemberwoche waren wir im Umland von Leipzig Teil des Treffens Bäuerlicher & Ländlicher Kämpfe (Bäläkä) und diskutierten über verschiedenste Herausforderungen des ländlichen Raums und der Landwirtschaft. Es war eine Woche voller Vernetzung, des Kräftebündelns, mit ernsten Gesprächen und Plänen für kommende Schritte für eine ernährungssouveränere Welt, sowie natürlich Spaß und leckerem Essen. Für mehr Informationen schaut gerne in unseren Bericht zu dem Austausch: https://www.interbrigadas.org/interbrigadas-auf-dem-treffen-baeuerliche-und-laendliche-kaempfe-baelaekae/

Demeter Herbsttagung

Im Oktober hat die Demeter Herbsttagung der Demeter-Azubis stattgefunden. Wir haben die Tagung begleitet und mit den Azubis über unsere Arbeit gesprochen. Unsere geplanten Aktionen im Rahmen der Proteste gegen die Fruit Logistica sind auf großes Interesse gestoßen und wir bleiben weiter in Kontakt mit den Azubis. 

Anstehende Projekte für 2026

Delegationsreise und Protesttage gegen die Fruit Logistica

Anfang 2026 werden wir eine weitere Delegationsreise von Beschäftigten aus Almería nach Berlin organisieren. Die Delegation soll parallel zur großen Frucht- und Gemüsemesse „Fruit Logistica“ Anfang Februar stattfinden. Wir organisieren parallel dazu Protestaktionen gegen diese Messe, auf welcher viele Unternehmen aus dem Großraum Almería ihre Produkte bewerben. Wie sie mit ihren Beschäftigten umgehen wird auf der Messe natürlich nicht thematisiert. Auf unserer Website und Instagram werden wir bald nähere Informationen zu den Protesttagen veröffentlichen.

Weihnachtsspenden und Spendenkampagne fürs Interbüro Berlin

Um unsere Aktivitäten weiter auszubauen und das Interbüro weiterhin als internationalistischen Ort zu betreiben, rufen wir zu Weihnachtsspenden auf! Wer noch einen Groschen übrig hat, kann gerne an uns spenden!

Auch wenn die Spendenkampagne fürs Interbüro Berlin bereits jetzt läuft, wird sie natürlich auch für 2026 weiterhin relevant sein! Gerade jetzt mit der Einführung der Wehrpflicht, die nur ein Symptom der zunehmenden Militarisierung der Gesellschaft ist, sind unabhängige politische Räume für den Austausch, die Vernetzung und die Organisierung von politischen Strukturen unheimlich wichtig. Mit eurer Hilfe und Unterstützung können wir das Interbüro als unabhängigen Ort für internationalistische und antimilitaristische Politik erhalten und den Aufbau einer Bewegung von unten unterstützen. Mit 5 € im Monat seid ihr schon dabei und für die ersten 15 neuen Fördermitglieder wartet eine kleine Überraschung als Dankeschön 😉

Du hast Lust, dich politisch und solidarisch zu engagieren? Ob beim Austausch mit internationalen Partner*innenorganisationen, in einer unserer Brigaden mach Spanien/Kuba, beim Diskutieren aktueller Themen oder beim Organisieren von Veranstaltungen vor Ort in Berlin oder Leipzig – bei uns kannst du dich einbringen, lernen und gemeinsam aktiv werden. Melde dich bei Interesse gerne über Instagram  oder per E-Mail!

Egal ob du schon Erfahrung hast oder einfach neugierig bist: Wir freuen uns auf dich!

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